Seit meinem siebten Lebensjahr begleitet mich die Harfe – ein Instrument, das mich nie mehr losgelassen hat.
Meine ersten Unterrichtsstunden erhielt ich bei einer strengen chinesischen Harfenlehrerin. Rückblickend bin ich ihr sehr dankbar, denn sie vermittelte mir ein solides Fundament im Notenlesen und in der Fingertechnik. Schon bald begann ich, mir ein eigenes Repertoire aufzubauen, vor allem mit keltischer Musik.
Mit zehn Jahren spielte ich dann regelmäßig auf dem wöchentlichen Bauernmarkt. Die Menschen waren begeistert, ich hatte vom vielen Spielen Blasen an den Fingern und mein Körbchen war voll mit Münzen und Scheinen. Sogar ein Zeitungsbericht erschien über mich. Außerdem durfte ich bei Schulkonzerten, im Jugendorchester sowie bei verschiedenen Veranstaltungen auftreten – unter anderem bei einem Klassentreffen, bei dem sich ältere Menschen nach vielen Jahrzehnten wieder begegneten.
Dann kam die Pubertät, und damit verlor die Harfe erst einmal ihren Coolness-Faktor. Ich verkaufte sie. Ich kann mich heute noch gut daran erinnern: Eine Käuferin kam extra aus Norddeutschland angefahren, um die Harfe mit ihrem Auto abzuholen. Als ich auf dem Parkplatz dem Auto hinterherschaute, das meine erste eigene Harfe davontrug, versuchte ich, die Tränen zurückzuhalten. Von diesem Augenblick an wusste ich, dass die Harfe nie ganz aus meinem Leben verschwinden würde, denn die emotionale Verbindung zu ihr war offensichtlich.
Mit 19 Jahren zog ich in meine erste eigene Wohnung und begann, Klavier zu spielen. Das Harfespielen pausierte ich in dieser Zeit, genoss dafür aber das Klavierspielen sehr – vor allem die Werke von Frédéric Chopin und Franz Schubert hatten es mir angetan. Einige Jahre später führte mich mein Weg für sechs Jahre nach Australien. Gleich nach meiner Ankunft entdeckte ich bei der Familie, bei der ich als Nanny arbeitete, eine alte Harfe – ausgerechnet dasselbe Modell, das ich als Kind besessen hatte. Für mich fühlte es sich wie ein Zeichen an.
In Australien fand die Harfe erneut ihren festen Platz in meinem Leben. Ich spielte auf Märkten und bei kleinen Hochzeiten, begleitete Qi-Gong- und Yogastunden sowie private High-Tea-Nachmittage und Vernissagen, produzierte meine erste CD, besuchte jährlich ein Harfencamp mit über 50 Harfenistinnen und Harfenisten, leitete Workshops, gab Unterricht und spielte regelmäßig für ein Mädchen mit Behinderung. Es waren Jahre voller Musik, Begegnungen und berührender Erfahrungen. Da ich unterwegs sein wollte, ließ ich mir eigens eine kleine Harfe bauen und nahm sie schließlich sogar mit zurück nach Europa. Sie ist bis heute ein Teil meines musikalischen Weges.
Was mich an der Harfe bis heute fasziniert, ist ihre unglaubliche Vielfalt. Oft wird sie mit dem Klavier verglichen, doch für mich besitzt sie eine ganz eigene Feinheit. Der Klang entsteht nicht allein durch die Saiten. Er wird geprägt von der Berührung der Finger und bringt zugleich die Aufmerksamkeit und die Stimmung der spielenden Person zum Ausdruck.


